Einblick in fremde Kulturen

Tausend strahlende Sonnen - Michael Windgassen, Khaled Hosseini

Inhalt: Die atemberaubende und ergreifende Geschichte über die alles überwindende Freundschaft zweier Frauen in Afghanistan. (Verlag)

 

Meine Meinung: Khaled Hosseini beschreibt in seinem Werk "Tausend strahlende Sonne" die Leben zweier Afghaninnen und zugleich das Schicksal der afghanischen Kultur, gezeichnet von Krieg und Unruhe.

Die Geschichte ist aufgeteilt in 4 Teile, von denen der letzte im Präsens geschrieben ist.

 

Am Anfang steht Mariam, eine harami, ein uneheliches Kind, die bei ihrer Mutter am Rande Herats aufwächst. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist schwierig - Mariam liebt sie, jedoch auch ihren Vater, gegen den ihre Mutter tiefen Groll hegt. Als Mariams Mutter stirbt, wird sie wiederwillig von ihrem Vater aufgenommen, der sie mit 15 einem mittvierziger zur Frau gibt. Jung verheiratet zieht Mariam nach Kabul, wo sie von nun an ihr Leben "fristen" soll.

Die andere "Frau" in der Geschichte ist Laila, die Tochter eines Lehrers, die, gut behütet, in Kabul aufwächst. Auch ihr Verhältnis zur Mutter ist nicht leicht, da diese um ihre beiden in den Krieg gezogenen Söhne trauert. Als der Krieg immer näher kommt und in Lailas 14. Lebensjahr Kabul erreicht, verliert sie ihre Eltern und wird von Mariam und ihrem Mann Raschid aufgenommen.

Aus anfänglichen Rivallinnen werde Freundinnen, fast Mutter und Tochter, deren Liebe zueinander alle folgenden Schicksalsschläge zu überstehen weiß.

 

Man sieht, ich bin nicht gut darin, den Inhalt eines Buches zusammen zu fassen, wenn ich stark darauf achte, nicht zu viel zu verraten. Von daher möchte ich mich lieber zu einigen allgemeinen Punkten äußern.

 

Was mir an dem Buch unglaublich gut gefallen hat, sind die dargestellten Personen, allen voran Mariam und Laila. Hosseini schafft es, zwei im Grunde völlig verschiedene Frauen zu erschaffen, die sich durch ihre unglaubliche Authenzität und Realitätsnähe auszeichnen. So fühlt man als Leser sofort mit ihnen mit - wenn es mir auch nicht ganz gelungen ist, mich in sie hinein zu versetzen.

Man bekommt Einblick in einen Bereich - das Leben afghanischer Frauen - der einem normalerweise verwehrt bleibt. Vor allem das Verhältnis zu Raschid, dem Ehemann und "Bösewicht", ist sehr bestürzend. Man weiß irgendwo zwar um die schrecklichen Umstände, die in großen Teilen Afghanistan noch immer herrschen, besonders im Bezug auf die Stellung der Frau, es ist jedoch trotzdem etwas völlig anderes, von einem "Landsmann" darauf aufmerksam gemacht zu werden.

Auch das Leid, dass die Menschen in diesem Land über die Jahre im Krieg gegen Sowjets und Taliban erlebt haben und noch immer erleben lässt einen alles andere als kalt.

Generell gesehen hat mich die Geschichte der beiden Frauen sehr mitgenommen, ich konnte mit ihnen mitfühlen, mich mit ihnen freuen und ihre Angst nachempfinden. Jedoch blieb das alles irgendwie immer eher oberflächlich, bis auf einige wenige Stellen (an denen sich mir dann auch der Hals zuschnürte oder mir Tränen in die Augen traten). Besonders bewegt haben mich die immer wieder zunichte gemachten Hoffnungen zwischen den Aufständen und Kriegen - Hoffnungen auf ein besseres Leben, die dann meist ins krasse Gegenteil gekehrt wurden.

Was ich zudem schade finde, ist, dass alles sehr gerafft erzählt wird. Sicher kann man bei einer Erzählung, die sich über fast 3 Jahrzehnte erstreckt, nicht jedes noch so kleine Detail erwähnen, an vielen Stellen ist mir Hosseini allerdings zu sehr gesprungen. Vor allem der Wechsel von Mariam zu Laila hat mich zu Anfangs sehr gestört und ich fand es schade, dass die beiden zunächst so völlig unabhängig voneinander geschildert wurden. Ab dem 3. Teil legt sich das ein wenig und der schließlich folgende Wechsel (ein Kapitel aus Mariams Sicht, das nächste aus der Sicht von Laila, usw.) war dann angenehmer zu verfolgen und hat auch eine gewisse Spannung erzeugt.

Positiv zu erwähnen ist allerdings, dass Hosseinis Schreibstil - abgesehen von diversen Sprüngen und Zeitraffungen - sehr angenehm und leicht zu lesen ist. Ab und an macht er Andeutungen, die einen rätseln lassen und die erst an viel späterer Stelle wie beiläufig aufgelöst werden, sodass man noch einmal an eine frühere Stelle der Handlung zurückversetzt wird.

Leider waren einige Wendungen irgendwie vorherzusehen (gut, eine bestimmte Handlung konnte ich nachvollziehen. Ich in dieser Situation hätte vermutlich schon viel früher so gehandelt.), was manchmal ein wenig ernüchternd war.

 

Fazit: Alles in allem möchte ich noch einmal betonen, dass mir die Geschichte an sich und vor allem die dargestellten Figuren unglaublich gut gefallen haben. Das meiste daran wirkte sehr realistisch, vor allem, wenn man über ein gewissen Hintergrundwissen verfügt (dabei möchte ich nichts bestimmtes ansprechen, sondern das ganz allgemein halten).

Es gab für mich jedoch leider im Großteil der Geschichte nicht genug Tiefgang und die erwähnte Raffung führt dazu, dass ich das Ganze nicht mit mehr als guten 3,5 von 5 Sternen bewerten kann.

Trotzdem kann ich das Buch jedem, der sich für die Geschichte Afghanistans, besonders die Geschichte der Frauen dieses Landes, interessiert, wärmstens empfehlen.