Zauberhaft und herrlich verrückt

Alice im Wunderland (Taschenbuch) - Lewis Carroll

Inhalt:

Gelangweilt lauscht Alice den Lektionen ihrer Schwester - als plötzlich ein weißes Kaninchen mit Weste und Taschenuhr vorbeiläuft, das dazu auch noch sprechen kann! Sie überlegt nicht lange und folgt dem Kaninchen in seinen Bau, durch den sie in eine Welt voller Fantasie und wunderlichen Gestalten gerät: Das Wunderland.
 
Meine Meinung:
"Alice im Wunderland" ist einer dieser Klassiker, die man wirklich als einen "Literaturschatz" bezeichnen kann. Ich kannte bereits verschiedene Verfilmungen (die Disney-Version habe ich schon als kleines Kind bei meinen Großeltern immer gesehen und sie geliebt!), das Buch selbst hatte ich aber bisher noch nicht gelesen, obwohl es schon seit knapp zwei Jahren in meinem Regal steht. Nun habe ich es im Rahmen der "Oldie but Goldie" Challenge erstmals zur Hand genommen - und es war viel zu schnell vorbei.
"Ach, dagegen lässt sich nichts machen", sagte die Katze; "hier sind alle verrückt. Ich bin verrückt. Du bist verrückt." "Woher weißt du denn, dass ich verrückt bin?" fragte Alice. "Musst du ja sein", sagte die Katze, "sonst wärst du doch gar nicht hier." S. 67

 

Wenn man die Filme kennt, weiß man natürlich schon, worum es geht und man hat, sofern man begeistert war, jede Menge lebendiger Bilder im Kopf. Doch trotzdem ist es ein ganz besonderes Leseerlebnis und mir kamen nie Gedanken wie "toll, das kennst du schon" oder ähnliches in den Kopf. Lewis Carrolls Schreibstil ist so lebendig und farbenfroh, ebenso wie die vielfältigen Charaktere, sodass man sich wunderbar in sie hineinversetzen kann. Besonders natürlich in Alice. Durch die wirren, wirklich verrückten Geschehnisse in dieser Fantasiewelt weiß Alice irgendwann nicht mehr, wo ihr der Kopf steht - und ähnlich geht es einem als Leser auch. Und ist es nicht das, was ein gutes Buch ausmacht? Dass man sich in die Hauptpersonen hineinversetzen und wirklich mit ihnen mitfühlen kann?
Alice, die Edamer Katze, Hutmacher, Schnapphase und Co. - und natürlich die Herzkönigin. Sie alle sichern sich schnell durch ihre einzigartigen Charakterzüge einen Platz im Herzen des Lesers und vor allem auch in seiner Erinnerung.
 
Alles, was Alice passiert, ist eigentlich nur ein verrückter Traum. Ein Abbild ihrer blühenden Kinderphantasie, das sich eben besonders als eine Geschichte für die jüngeren Leser handelt, die sich die Fähigkeit der bunten Träumerei noch bewahrt haben. Und obwohl man eigentlich mit dem Wissen an die Lektüre herangeht, dass das alles nicht real ist, bedarf es dann später doch des Hinweises vom Greif, dass sich das alles nur in ihrem Kopf abspielt, weil es eben trotz der Verrückheit so unglaublich echt und greifbar wirkt.
"Das ist doch alles nur in ihrer Phantasie - sie hat nämlich überhaupt keinen Kummer nicht." S. 96
 
Fazit:
 
"Alice im Wunderland" ist eines der Bücher, die man einfach gelesen haben muss. Eine wunderbar verrückte Geschichte, die einem auf der einen Seite ein Stück der kindlichen Leichtigkeit zurückgibt und die auf der anderen Seite auf eine komische Art die Wirklichkeit kritisiert bzw. parodiert. Ein tolles Leseerlebnis für Kinder und die unter uns, die sich das Kind im Herzen bewahrt haben.